Freitag, 19. April 2013

[Rezension] Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt





Titel: Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt
Autor: Andrea Schacht
Verlag: INK
ISBN: 978-3863960162
Jahr: 2012
Seiten: 384 Seiten
Preis: 17,99€
Teile der Reihe: Bis ans Ende der Welt
                             Die Rückkehr

Leseprobe: hier


Zitat: " Angst bedingt Fürsorge, auch diese beiden halten sich im Gleichgewicht. Nimmst du die Fürsorge, gewinnt die Angst. Und ein Mensch oder eine Bevölkerung in Angst wird völlig irrational reagieren." (S. 213)

Erster Satz: Über den großen Wandbildschirm liefen im Halbdunkel schreiende Menschen.





INHALT



Im Jahr 2125 hat sich Europa, von den meisten Menschen unbemerkt, in eine Welt der kompletten Überwachung verwandelt. In diesem perfekt gesteuerten System - New Europe - wächst Kyria, Tochter einer hohen Politikerin, behütet auf. Bis sie an ihrem 17. Geburtstag zufällig erfährt, dass ihr Gendefekt eine tödliche Krankheit ausgelöst hat. Jetzt zählt nur noch ein Gedanke: Flucht. In der wenigen Zeit, die ihr bleibt, will sie endlich frei sein! An einem Ort, der dem Zugriff des Systems weitesgehend entzogen ist: dem Reservat, Außenbezirke von NuYu.
Mit ihr auf den Weg macht sich Reb, der zu der Subcultura gehört und vor nichts und niemandem Angst hat. Schon bald sind den beiden die Verfolger auf der Spur. Und das ist nicht die einzige Gefahr: Alle, die sich der Macht von NuYu und damit den lebenswichtigen Impfungen entziehen, drohen furchtbaren Seuchen zum Opfer zu fallen. Doch was ist wirklich der Ursprung dieser Seuchen?




EIGENE MEINUNG


Mit "Kyria & Reb" liegt uns hier eine deutsche Dystopie vor.

Bis ins Jahr 2125 hat Europa eine gravierende Veränderung erlebt. Nachdem eine große Pandemie einem Drittel der Weltbevölkerung das Leben gekostet hat und viele Männer zeugunsunfähig wurden, haben die Frauen das Ruder übernommen und sind das starke Geschlecht dieses Jahrhunderts. Diese Idee gefällt mir sehr gut, sie ist für mich neu, auch die "Frauen-Power" ist nichts, wovon ich bereits gelesen habe.
Mit sehr viel Liebe zum Detail hat die Autorin jede Redewendung ins Weibliche umgeformt, was manchmal ein wenig sonderbar anmutet, aber trotzdem die Veränderung der Gesellschaft eindrücklich zeigt.

Doch auch ein von Frauen geführtes Regime hat seine Schwächen und so entpuppt sich der sorgende Mutterstaat als wachender Kontrollstaat, hinter der Maske des perfekten Hauses verbirgt sich die hässliche Fratze der Machtgier, Willkür und Ungerechtigkeit.

Was ich ganz besonders hervorheben möchte, ist, dass diese Geschichte in Europa spielt, im Gegensatz zu unzähligen anderen Dystopien, von denen viele auf die USA fixiert sind. Der Hegemoniegedanke der USA spiegelt sich schon zur Genüge in der aktuellen Literatur wider, da nervt es mich, wenn auch noch deutsche Autoren die USA zum Schauplatz machen. Gibt es denn keine andere interessante Länder, in denen man sein Buch spielen lassen kann?

Kyria ist als Tochter einer mächtigen Politikerin wohlbehütet im Luxus aufgewachsen. Abgeschirmt von der Außenwelt, ist sie sehr naiv und unerfahren. Gleichzeitig ist sie eine unglaubliche Zicke und sehr verweichlicht.  Das alles war beim Lesen für mich ein ziemlich großer Nerv-Faktor.
Daher war ich Reb sehr dankbar, da er als einer der Ersten von diesem Trip auf den Boden der Tatsachen herunterholt. Seine anfängliche Bezeichnung "Elitezicke" trifft den Punkt haargenau. Glücklicherweise verändert sich Kyria mit Fortschreiten der Geschichte und entwickelt Mut und Kampfgeist, diese Entwicklung aber geht sehr rasant vonstatten und empfinde ich als nicht sehr glaubwürdig. Vom eingebildeten, naiven Prinzesschen zur bodenständigen Persönlichkeit? Das war nicht sehr glaubwürdig beschrieben.
Reb ist ein sehr verschlossener Mensch und ich habe mich die ganze Zeit gefreut, mehr über ihn zu erfahren. Nach und nach erfährt man etwas über seine Vergangenheit und seine Familie, versteht, wieso er sich emotional so zurückgezogen hat.
Die Beziehung, die die beiden zueinander aufbauen, ist geprägt von Sticheleien gegeneinander, die später in spielerischere Neckereien übergehen. Das ist ziemlich unterhaltsam zu lesen, auch wenn es manchmal, sagen wir, zu viel des Guten war, wie ich finde.
Die anderen Charaktere bleibt leider eher schemenhaft gezeichnet und ziemlich blass. So erfährt man zwar viel über die Vergangenheit der Leute, allerdings konnte ich zu keinem der Personen eine echte Bindung eingehen.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil handelt von Kyrias Flucht und ist von Spannung und der wechselhaften Beziehung der beiden Hauptcharaktere geprägt.
Der zweite dagegen ist definitiv nicht annähernd so spannungsgeladen, die Geschenisse dümpeln anfangs nur vor sich hin und selbst bei drohender Gefahr für Kyria springt der Funke nicht über, ihre Informationssuche ist zu einfach, alle Menschen erzählen ihr bereitwillig die brisantesten Dinge, das war nicht mehr sehr überzeugend.

Als sich gegen Ende die Ereignisse zu überschlagen drohen und großes Unglück abgewendet werden muss, nutzt Andrea Schacht das Spannungspotenzial nicht hinreichend aus und so wird aus einem atemlosen, spannungsgeladenem Finale ein holprig und viel zu schnell beendetes Ereignis.
Auch der letzte Cliffhanger, der unsere Ungeduld auf den zweiten Teil in die Höhe treiben soll, kann bei mir keine große Aufregung verursachen.

Der Schreibstil von Andrea Schacht ist größtenteils angenehm zu lesen, obwohl ich über so manche soderbare Wortwahl gestolpert bin, wie z.B. "der verrückte Kerl" (S. 145), "der coole Hund" (S.149) und "dein magerer Kadaver" (S. 116),  und man bei manchen Dialogen gar nicht weiß, wer spricht, was das Lesen und das Verständnis erheblich erschwert.




COVER & GESTALTUNG


Ich finde das Cover genial, die Waldlandschaft zeigt Kyrias Ziel in den Reservaten, ist Ausdruck für die Unberührtheit der Natur und die Unabhängigkeit der dort lebenden Menschen. Die Atmosphäre ist sehr mystisch und ein bisschen geheimnisvoll, das Cover war eines der Hauptgründe, aus denen ich dieses Buch gekauft habe.



FAZIT


Hinter diesem Buch steckt eine sehr gute Idee, die aber vor allem in der Charaktergestaltung und im Schreibstil einige Defizite hat. Am liebsten würde ich dreieinhalb Sterne geben, das geht aber nicht und dieses Buch ist nicht mit anderen meiner Vier-Sterne Bücher zu vergleichen, daher gebe ich nur drei.




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